Was ist Yoga?

Was ist Yoga?

Obwohl wir schon eine ganze Weile Yoga üben, stellen wir uns diese Frage immer wieder, und sie ist so einfach gar nicht zu beantworten. Jeder von uns ist in einer anderen Entwicklungsphase und sieht die Welt und so auch den Yoga mit anderen Augen. Yoga ist in den letzten Jahren immer populärer geworden, und der Begriff Yoga ist nicht geschützt. So gibt es sehr viele Interpretationen.

Eine schöne Antwort auf diese Frage fanden wir in einem Kinderbuch. Es ist gut sich dem Yoga mit dem Bewusstsein eines Kindes zu nähern, offen, unvoreingenommen und ehrlich. Wer sich so dem Yoga nähert, dem wird alles geschenkt, was er für eine positive Entwicklung braucht.

Yoga ist sowohl eine Wissenschaft als auch eine Kunst, die euch dabei hilft, Körper und Geist zu entwickeln. Dies führt zur Entfaltung einer ganz besonderen Persönlichkeit.
Yoga ist eine ganzheitliche Wissenschaft, die alles Wachstum in sich begreift, vom Körper über die Sinne, die Gedanken, die Gefühle und die Intelligenz bis hin zum Verhalten.
In früheren Zeiten wurde alles Wissen mündlich überliefert. Auf diesem Wege wurde es von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Auch Yoga, das in Inden ein wesentlicher Bestandteil der Erziehung und Bildung war, wurde von Mund zu Mund weitergegeben. Erst der Weise Pantanjali schrieb die Wissenschaft des Yoga nieder, aufgeschlüsselt in acht Glieder oder Stufen für ein ausgewogenes und gesundes Wachstum.
Diese acht Stufen werden 'Ashtanga Yoga' genannt.

- YOGASHASTRA Iyengar ® Yoga für Kinder -



Die acht Stufen oder Glieder des Yoga nach Patanjali

Yoga ist eines der sechs orthodoxen Systeme der indischen Philosophie. Diese sind, auch unter Darsana zusammengefasst, Samkhya, Yoga, Nyaya, Vaisesika, Mimamsa und Vedanta. Der Weise Patanjali fasste die Lehren des Yoga, deren Ursprung in den Veden zu finden ist, in Merksprüchen - den sogenannten Yoga Sutras - zusammen.
Die acht Stufen des Yoga nach Patanjali bauen je nach Entwicklungsstand des Übenden nicht zwingend aufeinander auf. Einzige Ausnahme bildet die vierte Stufe Pranayama. Mit Pranayama sollte erst nach Beherrschen der dritten Stufe (Asana) begonnen werden.

Yama - gesellschaftliche Diziplin

Yama beinhaltet das Einhalten bestimmter ethischer Gebote. Diese Gebote sind Ahimsa(Gewaltlosigkeit), Satya (Wahrheit), Asteya (nicht stehlen), Brahmacharya (Enthaltsamkeit), und Aparigraha (Begierdelosigkeit).

Das Einhalten der etischen, moralischen Gebote ist Grundlage für eine erfolgreiche Yogapraxis. Wie wir sehen steht Gewaltlosigkeit am Anfang der ersten Stufe der Yogapraxis. Dabei geht es darum keinem Lebewesen, in erster Linie sich selbst, Gewalt zuzufügen. Schaffen wir es mit uns selbst gewaltfrei umzugehen, wird es für uns unmöglich anderen Gewalt anzutun. Dies hört sich zunächst einfach an. Bertrachten wir uns allerdings auf achtsame Weise selbst, erkennen wir ganz schnell welche große Aufgabe dahinter steckt.
Wir sprechen hier bewußt von Yogapraxis, da man Gewaltlosigkeit nicht üben kann wie z.B. Körperhaltungen. Jeder sollte für sich selbst Gewalt definieren, sich beobachten, erkennen, verstehen und Gewaltlosigkeit leben. Alle anderen Gebote und Yogastufen bauen auf dem Prizip der Gewaltlosigkeit auf bzw. entstehen daraus. Leben wir gewaltlos, wird es uns schwer fallen zu stehlen oder zu lügen. Im Gegensatz zu anderen Stufen des Yoga, in denen wir z.B. Körperstellungen üben, bekommen wir hier die positiven Effekte unmittelbar und ganz geschenkt.

Niyama - persönliche Diziplin

Niyama beinhaltet Regeln, die unsere persönliche Lebensführung betreffen. Diese sind Shaucha (äußerliche und innerliche Reinheit), Santosha (Zufriedenheit), Tapas (Eifer), Svadhyaya (Erforschung des Selbst) und Ishvara-Pranidhara (Hingabe an Gott).

Asana - Körperhaltungen

Asanas sind Körperstellungen bzw. Körperhaltungen (Yoga Übungen ). Durch Üben der Asanas können wir unserem Körper und Geist bis ins hohe Alter Gesundheit und Stärke schenken. Asanas bilden die dritte Stufe des Yoga nach Pantanjali.

Pranayama - Atembeherschung

Prana bedeutet Atem, Energie, Leben und Ayama Länge bzw. Ausdehnung. Pranayama ist also die Ausdehnung und Beherschung des Atems. Pranayama ist die vierte Stufe des Yoga und sollte laut Pantanjali erst nach Beherschen der dritten Stufe geübt werden.

An dieser Stelle weissen wir nochmals auf das Prinzip der Gewaltlosigkeit hin. Das Ziel des Übens der Asanas besteht nicht darin sich mit Gewalt in spektakuläre Stellungen zu bringen, sondern vielmehr darin, gesunde, heilsame und natürliche Muster und Strukturen zu erkennen und wieder zu lernen. Jeder von uns, der es schon mal mit Gewalt versucht hat, hat schnell die Grenzen und unheilsamen Effekte erkannt.